Gefährdete Biotope in Mittelamerika 

 

Liebe Freunde amerikanischer Großcichliden!

Wir wollen hier einige Biotope in Mittelamerika vorstellen und beschreiben. Der Grund für diese als Fortsetzungsserie geplanten Berichte ist die Zerstörung des Lebensraums vieler Cichlidenarten und die daraus entstehende Gefährdung in ihrem Bestand.

 

Als Vorwort vielleicht ganz kurz: Ich konnte Mittelamerika schon öfter bereisen. Eindrücke sammeln, Biotope erkunden, Land und Leute kennenlernen. Das stand bei mir immer an erster Stelle. Einige Erkenntnisse und Beobachtungen aus diesen verschiedenen Reisen möchte ich nachfolgend aufzeigen.

Es soll hier weder jemand angeprangert werden, noch möchte ich mir ein Urteil über die oft sehr schwierigen Lebensbedingungen erlauben, mit denen die Bevölkerung in den verschiedenen Ländern zu kämpfen hat. Mein Anliegen mit den folgenden Zeilen und Bildern ist es, zu zeigen wie bedroht die aquatische Fauna und Flora in manchen mittelamerikanischen Biotopen ist.

 

 

 

Das erste Beispiel, sind die Gewässer um die Stadt Palenque, in Südmexiko. Ich möchte bewusst dort in diesem Gebiet beginnen, da es augenscheinlich noch intakt und wunderschön erscheint, aber auch dort verändert es sich leider immer mehr zum Negativen.

 

Die Stadt Palenque liegt am Rande des Regenwaldes im Bundesstaat Chiapas. Sie ist touristisch weltbekannt durch die großartigen Mayaruinen. Ich glaube auch, dass diese Ruinen (und es gibt auch noch zahlreiche weitere in Chiapas) sehr dazu beitragen, dass es noch einen Restregenwald gibt. Denn für die Touristen wird der Regenwald um die Ruinen doch als Fassade erhalten und damit natürlich auch ein kleines Ökosystem.

 

 

 

Meine erste Reise dorthin war 1993.

Wir fanden damals in der Umgebung von Palenque nur schlechte Straßen und Schotterpisten vor. Der Regenwald zeigte einzelne kleine Parzellen, die gerodet und für die Ernährung der Bevölkerung mit Mais bebaut waren.  

1999 besuchte ich diese Region wieder, die Parzellen waren schon größer geworden. Immer noch gab es keine, oder nur sehr schlechte Straßen ins Urwaldgebiet.

 

2008 unternahm ich wieder eine Reise dorthin und ich war sehr erschrocken was sich in den neun Jahren alles zum Schlechten verändert hatte!                                                            

Asphaltierte, breite Straßen machten jetzt das Befahren der Urwaldregion zu einer Spazierfahrt. Die Strecke, für die man vor 9 Jahren viele Stunden einplanen musste, kann man heute in einem Bruchteil der Zeit bewältigen. Die Folge daraus ist auch eine stärkere Besiedlung dieses Gebietes, mit all seinen negativen Folgen für die Natur.

 

 

 

Die kleinen Lücken für die Maisgewinnung waren großen abgeholzten Flächen gewichen. Ganze Berghänge bestanden nur noch aus Maisplantagen.                                  

Die Folge ist Erosion und dadurch werden die Flüsse oft stark mit Sedimenten getrübt .

Erdrutsche, vielfach wilde Müllhalden, Abholzung für den privaten und kommerziellen Bedarf. All dies gefährdet die Qualität der Gewässer in dieser Region massiv.

 

 

 

Noch dazu findet man heute durch „schlaue“ Leute ausgesetzte, riesige Harnischwelse aus Südamerika und Tilapien- und Oreochromisarten aus Afrika, in fast allen Gewässern rund um Palenque.  

 

 

 

Die biotopfremden Fische bedrohen durch Nahrungskonkurrenz und durch das Besetzen der Laichgründe die einheimischen Fischarten intensiv.  

Wie sich die Biotope dort weiterentwickeln vermag ich natürlich nicht vorherzusagen, aber was sich allein seit dem Jahr 1999 bis heute negativ verändert hat gibt mir doch sehr zu denken!

 

 

Verfasser: Joachim Grad, D 87 2344

Fotos: Hans Peter Risch, CH00 2633 / Christian Hofer, D 87 5338